Hegetag vom Samstag, 6. Juni 2009
Die Jägersektion Klosters hat am 6. Juni 2009 zu einem interessanten Hegetag eingeladen. Mit etwas Wetterglück konnte dieser Anlass erfolgreich durchgeführt werden. Im Vordergrund standen am Vormittag verschiedene Arbeiten im Wald und am Nachmittag Information und Weiterbildung zu aktuellen Jagd- und Forstthemen.
Verantwortlich für die Organisation dieses Hegetages waren Werner Putzi, Revierförster Klosters und Jürg Zähner, Hegeobmann. Um 07.30 Uhr begrüsste W. Putzi rund 30 motivierte Jägerinnen und Jäger sowie Kandidaten(innen). Mit seinem Tagesprogramm wollte der Revierförster, welcher auch aktiver Jäger ist, die Teilnehmer für die Biodiversität unserer Gebirgsfauna und –flora sensibilisieren. Auch sollte erkennbar gemacht werden, wie wichtig Zusammenarbeit, Akzeptanz und Verständnis zwischen Forst- und Jägerschaft sein soll – trotz der gegenseitigen Interessen.
Eine Gruppe wurde mit der Waldwiesen- und Rottenpflege beauftragt. Waldwiesen sind nicht nur wichtiger Lebensraum von Schalenwild, sondern auch für viele andere Lebewesen aus unserer einheimischen Tierwelt (Brut- und Fluchtplätze etc.). Es steht den Jägern sicher gut an, sich dieser Tatsache immer wieder bewusst zu werden.
Die zweite Gruppe erhielt den Auftrag, verschiedene kleine Weisstannen mittels Zäunen auf Jahre hinaus zu schützen. Es gibt in Klosters im Bereich Ronawald viel Weisstannennachwuchs, da es grosse und starke Samenspender hat. Nur kommen die jungen Bäume infolge Verbissschäden leider nie höher als Heidelbeersträucher. Dies ist schade und bereitet den Förstern auch Sorge, denn die Weisstanne hat eine gute Schutzfunktion und sorgt auch für eine gewisse Abwechslung im vorwiegend von Rottannen beherrschten Wald. Schön wäre es dabei auch wenn Vogelbeersträucher und der Anhorn mehr aufkommen würden.
Nach einem strengen Vormittag fand man sich im Werkhof Klosters zum gemeinsamen Mittagessen ein. Die von den Gemeinde Klosters offerierten Grilladen mit Beilagen und Getränken fanden regen Zuspruch. Das regnerische Wetter konnte der guten Stimmung keinen Abbruch tun, da das „Restaurant" kurzfristig in die Garage verlegt wurde.
Der Nachmittag bot ein vielseitiges und sehr interessantes Programm zur Aus- und Weiterbildung. Vorerst informierte Sandro Krättli, Regionalförster und Forstingenieur, zum Thema Weisstanne. Diese kann aufgrund ihrer tief ins Erdreich wachsenden Wurzelstruktur eine hervorragende Schutzfunktion erfüllen. Sie ist deshalb in Berggebieten (wieder) eine willkommene Baumart. Wurde sie aufgrund ihrer wirtschaftlich nicht sonderlich gesuchten Holzart früher eher vernachlässigt, gewinnt sie heute zu Schutzzwecken wieder vermehrt an Bedeutung. Für das Schalenwild sind die Zweige der Weisstanne jedoch eine „leckere Spezialität" und deshalb sind entsprechende Verbissschäden vorprogrammiert. Bei diesem Intressenskonflikt zwischen Forst und Jagd ist einmal mehr gegenseitiges Verständnis gefordert.
Heinz Guler, Wildhüter Schiers, zeigte durch den Beschuss auf verschiedene Körperteile eines Rehkadavers (Fallwild) die sehr unterschiedlichen Pirschzeichen (Schweiss, Haare, Knochensplitter, Schusskanal etc.) auf eindrückliche Art. Einige, auch schon erfahrene Jäger, wurden sich bewusst, wie wichtig die richtige Interpretation von Pirschzeichen ist und vor allem auch wie schwierig sie ist. Er betonte, wie unweidmännisch die Aussage „Nicht geschossen ist auch gefehlt" ist. Diese Aussage gehört einfach nicht in den Wortschatz eines korrekten Jägers, geschweige denn zu seinem jagdlichen Tun. Sie zeugt höchstens von einer sehr geringen Achtung gegenüber einem Lebewesen und ist aufs Schärfste zu verurteilen.
Weiter informierte Peter Marugg, Klosters, über das Schweisshundewesen und das Verhalten des Jägers vor und nach dem Schuss. Es gehört zur Jagd, dass hie und da auch einmal ein Tier angeschossen wird. Wenn dieser leidige Umstand aber passiert, so gilt der Grundsatz, dass möglichst alles unternommen wird, die Leidenszeit eines Tieres nicht unnötig zu verlängern. Dazu ist das Verhalten des Jägers vor und nach dem Schuss von entscheidender Bedeutung. Denn durch falsches Verhalten kann die Arbeit des Schweisshundes wesentlich erschwert, teilweise sogar verunmöglicht werden. Er zeigte mit seiner 2 jährigen Münsterländerhündin denn auch anhand einer Demonstration, zu was für erstaunlichen Leistungen auch ein junger und sich noch in Ausbildung befindlicher und entsprechend trainierter Hund sein kann.
Zusammenfassend ein äusserst erfolg- und lehrreicher Hegetag der Sektion Klosters. Die Kombination mit Arbeit in der Natur zu Gunsten der Wildtiere und die Information und Weiterbildung der Jäger ist ein sehr gutes Beispiel auch für aktive Öffentlichkeits-arbeit. Jagd heisst eben nicht nur, während der Jagdzeit mit dem Gewehr auf die Pirsch zu gehen. Moderne Jagd bedeutet auch, sich während des Jahres mit anderen Themen zur und über die Jagd und zu allgemeinen Themen der einheimischen Fauna und Flora zu beschäftigen. W. Putzi und J. Zähner haben es mit diesem Hegetag verstanden, ein sehr gutes Beispiel in diesem Sinne zu organisieren. Herzliche Gratulation dazu und ein grosses Dankeschön an alle Beteiligten und die Gemeinde Klosters-Serneus. Vielleicht finden beim nächsten Hegetag noch ein paar Sektions-mitglieder mehr den Mut, einen Samstag zu „opfern". Es lohnt sich bestimmt.
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